Fritz, ein gemeiner Kerl?

Spielfiguren

Fritz arbeitet im HR und trifft wichtige Entscheidungen: Wer wird eingestellt und wer nicht. Fritz bevorzugt ganz klar Männer, denn im Unternehmen arbeiten bereits viele erfolgreiche Männer. Er schliesst daraus, dass nur Männer erfolgreich sein können.

Dazu stellt Fritz keine Leute aus Schlieren oder Spreitenbach an. Diese seien weniger gebildet und daher bietet er ihnen keine Vorstellungsgespräche an.

Fritz liebt Menschen, die sich gewählt ausdrücken können, denn diese müssen ja auch intelligent sein, meint er.

Denken Sie auch, dass Fritz ein Sexist, Rassist und ignoranter Bastard ist? Nein, das ist Fritz nicht. Fritz ist ein Algorithmus, der im HR immer mehr eingesetzt wird.

Er hat Lebensläufe von erfolgreichen Menschen in den letzten Jahren durchgescannt und festgestellt, dass in Führungspositionen mehr Männer arbeiten. Daraus schliesst er, dass Frauen das nicht können. Das ist ganz logisch, denn Fritz versteht nichts von Familie, Fortschritt und Kultur, die sich verändert. (passiert bei Amazon)

Fritz hat auch erkannt, dass in Schlieren und Spreitenbach viele Menschen leben, die nicht die gleiche Ausbildung genossen haben, wie Menschen von der Goldküste. Aber auch hier leben zielstrebige Menschen. Sie geniessen einfach nur die Wohnlage in der Nähe von Zürich, aber daran denkt Fritz nicht. Woher sollte er auch sowas wissen? (so funktionieren klassische Bonitätstools)

Wie sich Menschen ausdrücken, hat oft damit zu tun, wie zuhause gesprochen worden ist. Wenn sich in der Kindheit die Eltern am Küchentisch über Politik oder Wissenschaft unterhalten haben, könnte der Nachwuchs trotzdem weniger Zielstrebigkeit mitbekommen haben, als der Sohn einer Familie, die sich hauptsächlich über Fussball aufgeregt haben. Wer am Küchentisch in einer anderen Muttersprache kommuniziert hat, könnte ebenfalls einen kleineren (deutschen) Wortschatz haben. Ich bezweifle daher, dass dies ein wichtiger Faktor für beruflichen Erfolg ist. (siehe Pricire)

Fritz ist also nur ein Algorithmus. Er tut das, worauf er programmiert ist. Er sucht nach Stereotypen. Dabei kann er doch so viel Gutes tun. Er kann Lebensläufe mit den Inseraten parsen und somit auch die Arbeit im HR erleichtern. Er kann Daten unter Kontrolle halten, damit nichts vergessen geht und er kann noch so viel mehr….

… wenn er vernünftig eingesetzt wird.

Daher Augen auf. Nicht alle Programme, die neu und teuer sind und wissenschaftlich angepriesen werden, sind wirklich gut. Glauben Sie keiner Studie, die von den Tool Herstellern nicht öffentlich gemacht wird. Auch was viel kostet, muss nicht immer gut sein.

Vieles ist und bleibt Arbeit für gute und erfahrene HR-Spezialisten. Investieren Sie in Menschen ihr gutes Geld, Sie werden dabei im Endeffekt viel sparen.

Studie “Diskriminierungsrisiken durch Verwendung von Algorithmen”, Dr. Carsten Orwat

https://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Downloads/DE/publikationen/Expertisen/Studie_Diskriminierungsrisiken_durch_Verwendung_von_Algorithmen.html?nn=6575434